Fahrrad-Safari

... and: "Wait for your wife!"

17.7.2016 - Lusaka (65093 km)

Mit dem Fahrrad durch Afrika? - da denken viele Menschen zuerst an die Löwen. Geht also gar nicht, viel zu gefährlich! Doch vor den Löwen fürchte ich mich kaum. Sie greifen Menschen normalerweise nicht an. Man müsste schon Pech haben und an einen alten oder kranken Löwen geraten, der nicht mehr die Kraft hat, schnellen Tieren hinterherzurennen. Großen Respekt habe ich dagegen vor Elefanten und regelrecht Angst vor den unberechenbaren, jähzornigen Kaffernbüffeln.

Sollen Gertrud und ich uns also wirklich freuen, wenn Botswana uns hier einreisen lässt? Oder wäre die Abweisung an dieser Grenze unsere Rettung? Direkt hinter dem Übergang bei Pont Drift beginnt ein privater Nationalpark mit viel Großwild, den wir auf rund 40 Kilometern durchfahren müssen. Gut möglich, dass die Grenzer uns als Radfahrer hier nicht durchlassen. Die Alternative zu diesem Übergang aber wäre ein sehr weiter Umweg nach Süden.

Die Beamten auf der südafrikanischen Seite der Grenze stempeln uns kommentarlos aus. Dann schieben wir die Räder durch das sandige Flussbett des großen Limpopo, der zu dieser Jahreszeit kein Wasser führt. Auch auf der botswanaschen Seite verliert nicht ein einziger der vielen Uniformierten ein Wort zu dem Wildpark vor uns. Sie sind nur neugierig, woher wir kommen, wohin wir fahren, blättern meinen Pass durch und freuen sich über die bunten Visa. Und sie erfüllen meinen Wunsch, den Einreisestempel auf eine halbvolle Seite zu setzen und nicht etwa eine neue Seite zu bestempeln. Ich werde in Afrika noch Platz für etliche vollformatige Visa brauchen. Inzwischen fordern viele Botschaften sogar zwei freie gegenüberliegende Seiten.

Gertrud im Flussbett des Limpopo

Die Piste durch den Tuli-Park ist teils sandig, teils ausgewaschen, gelegentlich führt sie über Felsbuckel. Alle Viertelstunde kommt ein Auto vorbei, darunter sind einige Safari-Fahrzeuge. Die Fahrer winken uns zu, auch sie warnen uns nicht vor den wilden Tieren. Bis auf einen gutgekleideten Mann, der Gertrud mit grimmigen Gesten Angst machen will: "Hier gibt es auch Löwen" sagt er aus dem Auto heraus und fährt die Krallen aus: "Grrrrr!"

An einer Veterinary Station müssen wir nach ein paar Kilometern durch eine Wassergrube mit Desinfektionsmittel fahren, damit wir keine Rinderseuchen nach Botswana einschleppen. Die Dame an der Station bestätigt die Anwesenheit von Löwen, sie kämen hier ab und zu vorbei. Aber wie eingangs schon gesagt: Sorge machen mir eher die Kaffernbüffel und außerdem Elefanten, von denen auf der Piste viel Kot liegt.

Dem, der diesen Mist gemacht hat (wohl ein Elefant), möchte ich heute gar nicht begegnen!

 

 

 

 

 

 

 

Wären wir unter den gleichen Umständen in Südafrika unterwegs, hätte man uns nie - nie, nie! - mit dem Rad passieren lassen. Dort herrscht ein Sicherheitsdenken wie in Australien oder den USA. Auf der Autobahn darfst du dich gern auf ganz alltägliche Weise totfahren - aber bitte kein aufsehenerregendes Ableben, das schlechte Schlagzeilen macht.

Key in Tati (Botswana)

 

 

Nach 40 Kilometern verlassen wir den Park, ohne Großwild gesichtet zu haben. Wie viele Tiere aus dem Gebüsch heraus uns gesichtet haben, wissen wir freilich nicht. Erst am Abend erreichen wir nach mehr als 100 Kilometern eine Ortschaft. Die Leute in Bobonong sind äußerst freundlich. Auch in den weiteren Tagen genießen wir die gelassene und friedliche Atmosphäre in Botswana, sehr erholsam nach den Monaten in Südafrika mit seinen Rassen- und Sicherheitsproblemen.

Obwohl wir hier in dem Teil Botswanas unterwegs sind, der am dichtesten besiedelt ist, radeln wir oft stundenlang durch trockene Savanne, ohne ein einziges Dorf zu sehen. Die Straßen sind gut asphaltiert, der Wind ist günstig, der Weg eben, mühelos schweben wir auf unseren Fahrrädern dahin. Am Himmel nur ein paar Wolken, klare Luft, die Sonne wärmt, aber sie brät einen zu dieser Jahreszeit nicht durch. In rund 1000 Metern Höhe herrscht hier im Südwinter ideales Radelwetter - Gertrud kriegt einen ganz falschen Eindruck von Afrika.

Wohl dem, der die Zeit hat, jede Kartoffel, jede Tomate einzeln abzuwiegen und auszupreisen.

Die Route durch Botswana haben wir gewählt, um auf ruhigeren Straßen und über einen stressfreien Grenzübergang nach Zimbabwe einzureisen. Offenbar haben wir die richtige Entscheidung getroffen. Der Übergang bei Plumtree wirkt provinziell. Nur wenige PKW und ein paar Minibusse sehen wir vor der Grenze. Ein Anflug von Hektik allein an der Tankstelle, wo auf der botswanaschen Seite Autofahrer aus Zimbabwe unzählige Benzinkanister auffüllen.

Wir sind sehr gespannt, was uns da drüben erwartet, und haben uns auf Mangel eingestellt. "No money, no fuel, no food" hatte es mehrfach geheißen. Das Land hat in den letzten Jahrzehnten in ständigem Auf und Ab gelebt. Unter der weißen Regierung im damaligen Rhodesien wurde die schwarze Bevölkerungsmehrheit unterdrückt. Aber auch nach dem Sturz dieser Regierung 1980 und der Umbenennung nach "Zimbabwe" hat das Land viele Turbulenzen erlebt. Der neue Präsident Mugabe gab sich den Weißen gegenüber zunächst versöhnlich - auch, weil er wusste, dass Zimbabwe noch über lange Zeit auf deren Know-how angewiesen sein würde. Anfang 2000 zwangen ihn jedoch innenpolitische Probleme, die lang schon angekündigte Landenteignung umzusetzen. Sie machte den Landraub während der Kolonialzeit rückgängig. Doch sie geschah zu abrupt, außerdem ohne Kompensation für die auf den Farmen errichtete Infrastruktur - die meisten Weißen verließen Zimbabwe, und viele neue Kleingrundbesitzer standen auf den zerschlagenen Farmen unausgebildet und ratlos da.

 

 

 

Zim Kids

"No money, no fuel, no food!" also. Mit US-Dollars - der neuen offiziellen Währung Zimbabwes - haben wir uns bereits in Südafrika eingedeckt. Und das ist gut so. Die Geldautomaten in Zimbabwe sind, wie sich in den kommenden Wochen bestätigt, tatsächlich in aller Regel leer. Einen nichtleeren ATM erkennt man sofort an der langen Menschenschlange, die davorsteht. Es gibt sogar wartende Menschen vor leeren Automaten; es reicht das Gerücht, dass die Maschine demnächst aufgefüllt wird.

Die nächste funktionierende Maschine mag 500 Kilometer entfernt in Südafrika stehen!

 

Auch an den Tankstellen gibt es Engpässe. Schilder "Wir erwarten in aller Kürze eine Lieferung" stehen bereit. Doch "no food" war eine völlig überzogene Übertreibung, die wir mehrfach in Südafrika hörten. Gleich hinter der Grenze werfen wir im Dörfchen Plumtree einen Blick in die Läden: Die Regale sind voll. Es gibt Brot, Reis, Nudeln, Mais, Fleisch, Gemüse, Obst, Biskuits, Konserven. Auffallend ist im ganzen Land auch die hohe Zahl von gut ausgestatteten Bars, in denen Biere aus Südafrika verkauft werden. Diese Importe sind allerdings so teuer, dass die meisten Zimbabwer auf Chibuku ausweichen, ein Maisbier, das wohl etwa 2% Alkohol hat (auch wenn auf dem Etikett der 1,25-Liter-Flaschen von 4% die Rede ist).

Viele Leute auf der Straße sind gut gekleidet, teilweise sogar sehr elegant. Natürlich gibt es auch Menschen in Arbeitskleidung, aber niemanden in Lumpen. Auch sind die Straßen in einem viel besseren Zustand, als zu erwarten war, mit zerbröselndem Asphalt infolge von Geldmangel hatte ich gerechnet. Doch bis auf wenige Ausnahmen sind sie nicht schlechter als die in Südafrika.

... geht natürlich auch so.

 

Verfall ist jedoch überall dort zu sehen, wo man vom Tourismus abhängig ist: auf Campingplätzen, in Lodges, in Backpacker-Unterkünften. So zum Beispiel in der Herberge von Masvingo: Den meisten Wasserhähnen fehlen die Griffe, die Möbel in der Gemeinschaftsküche fallen auseinander, kaum mehr Geschirr ist da, der Herd kommt nur mit einigen Tricks in Gang, Wasser in den Bädern und Toiletten ist Glückssache. Anderswo haben Fensterscheiben Löcher, durch die der Wind pfeift, Vorhangleisten fallen herunter, wenn man den Vorhang berührt, elektrische Stecker fehlen, es werden einfach die Drähte in die Steckdose gefummelt. Aber wie sollten sie auch all das instand halten - ohne Einnahmen und ohne Motivation, wenn doch eh niemand mehr kommt. Wir wundern uns, dass überhaupt noch so viele Unterkünfte geöffnet sind. Im früher vielbesuchten Zimbabwe gibt es praktisch keine Touristen mehr - wegen der politischen Lage, aber auch wegen der übertriebenen Gerüchte von allgegenwärtigem Mangel.

Auf dem Weg zum Matobo National Park

Unser Weg führt zunächst in den Matobo-Nationalpark mit seiner wilden Landschaft. Erosion hat im Laufe von Millionen Jahren riesige Felsrücken glattgeschliffen und außerdem kugelige Felsen in der Landschaft stehengelassen, als hätte es einmal einen steinernen Regen gegeben. Dieses Landschaftsbild zieht sich auf unserer Reise bis in den Nordosten Zimbabwes hin.

Vielleicht sind die Menschen auch deswegen eines Tages auf die Idee gekommen, ihre Hütten nicht mehr aus Holz und Lehm zu bauen, sondern aus Stein. Nahe Masvingo liegt die größte afrikanische Ruinenstätte südlich der Sahara: Great Zimbabwe. "Zimbabwe" lässt sich mit "Häuser aus Stein" übersetzen. Ab dem 12. Jahrhundert haben die Herrscher hier riesige Mauern und Gebäude errichten lassen, die ohne Mörtel aus ziegelgroßen Natursteinen zusammengesetzt wurden. Alles nur aufgeschichtet, alles hält nur wegen der Schwerkraft. Einige imposante Strukturen sind bis heute erhalten, die eindrucksvollste ist die Great Enclosure mit ihrer 255 Meter langen umgebenden Mauer.

Der mysteriöse Konische Turm im Inneren der Great Enclosure. Möglicherweise nur aus Spieltrieb entstanden.

 

Vermutlich wegen Raubbaus an der Natur und anhaltender Dürre verließen die Bewohner im 15. Jahrhundert die Siedlungen. Vieles bleibt Spekulation. Aber offenbar handelte es sich bei den Mauern und dem markanten Konischen Turm der Great Enclosure nicht um Wehranlagen, sondern um eine selbstbewusste Präsentation des Könnens und des Wohlstandes.

Die europäischen Kolonialisten wollten nicht wahrhaben, dass diese Bauwerke von Afrikanern errichtet worden sind und schrieben sie frühen europäischen Einwanderern zu. Nur ein Beispiel mehr für die Arroganz der Europäer und die Geringschätzung afrikanischer Leistungen. Nach der Unabhängigkeit gab diese Kulturstätte dem Land seinen neuen Namen.

Wir fahren weiter nach Osten, in den bergigen Teil Zimbabwes, der an Mozambique grenzt. In den Packtaschen haben wir immer genug Futter für zwei, drei Tage (Brot, Konserven, Kekse, Erdnüsse), aber wir verlieben uns langsam in den Maisbrei, der in Südafrika Pap heißt, hier nun Sadza. Meistens nehmen wir in den Garküchen am Straßenrand den Maisbrei zusammen mit ein paar Stückchen Rindfleisch aus dem vorbereiteten Kochtopf. Nicht unüblich ist es aber auch, sich in der Bude des Metzgers nebenan eine tiefgefrorene Scheibe Fleisch zu holen und sie der Köchin zum Grillen zu reichen. Sie steuert dann den Maisbrei, Soße und Gemüse bei.

Das Honde Valley in den Eastern Highlands

Gertrud und ich haben uns gleich zu Beginn unserer gemeinsamen Reiseetappe darauf geeinigt, dass jeder sein eigenes Tempo radelt. Das habe ich auch auf den vielen Reisen mit meinem Bruder Max so gehalten. Es ist nicht sinnvoll, sich über Tage hinweg dem Rhythmus des anderen anzupassen. Der eine mag in der Ebene schneller sein, der andere dafür dann am Berg. Sich später wiederzufinden, war selbst in der Zeit vor Mobiltelefonen und Internet kein Problem, weil das Straßennetz in Afrika dünn ist und außerdem die Buschtrommeln verkünden, wo der andere gesichtet wurde.

Die Buschtrommeln halten mich auch jetzt stets auf dem Laufenden. "Your wife is far behind. She is pumping, she has a puncture", teilt mir am Tag zwischen Mbalabala und Zvishavane ein Autofahrer mit. Er sagt das angenehm neutral. Meistens aber schaue ich in vorwurfsvolle Gesichter: "Wait for your wife!" rufen mir Vorbeifahrende zu. Sie können sich einfach nicht vorstellen, dass eine Frau allein den Weg findet. "She is looking for you, she got lost!" heißt es einmal. In so scharfem Ton, dass ich tatsächlich vier Kilometer zurückfahre, nur um festzustellen, dass alles in Ordnung ist.

Morgens in Zimbabwe

Im nördlichen Zimbabwe begegnet einem nun immer häufiger diese ganz eigentümliche afrikanische Logik, wenn es um die Antwort auf eine vermutende Frage geht. Diese Logik ist so präzise, dass wir Europäer dabei leicht ins Schleudern kommen.

Du gehst in einen kleinen Laden, schaust dich um und ahnst es schon: "Hier gibt's kein Bier, oder?"

Die Antwort: "Ja."

Du bist irritiert. "Ah, es gibt doch Bier?"

Jetzt ist der Afrikaner irritiert: "Nein."

'Was denn nun?' stehen deine Gedanken auf dem Gesicht. 'Ja oder nein?'

'Habe ich doch gerade schon gesagt", antwortet der Afrikaner wortlos. 'Kapierst du's denn nicht? Ja, es gibt kein Bier!'

Kurz vor der Ausreise nach Zambia steht noch einmal eine Fahrrad-Safari an. Diesmal ist es kein offizieller Park, den wir durchqueren. Aber die Ufer des Zambezi sind von so vielen Elefanten bewohnt, dass unser Abstecher zum Kariba-See uns eine Begegnung mit ihnen quasi garantiert. Wieder dieses Chaos im Kopf: Wollen wir nun Elefanten sehen oder vom Fahrradsattel aus lieber doch nicht?

Lange tut sich an diesem Morgen nichts. Doch zehn Kilometer vor Kariba warnt uns ein Passant an der Straße: "Seid vorsichtig! Da vorn im Gebüsch steht ein Elefant." Wir haben ihn überhaupt nicht gesehen und müssen selbst nach seinem Hinweis noch suchen, so gut ist der graue Koloss getarnt. Dann aber wackelt er mit dem Schwanz, und wir erkennen nun auch ein bisschen von seinem Hintern. Wir warten einige Minuten.

Nach einer Weile parkt der ausgewachsene Elefant rückwärts aus dem Gebüsch aus. Jetzt ist er komplett sichtbar. Er sieht uns, stellt leicht die Ohren auf, bleibt aber auf der Stelle. Dann marschiert er wieder ins Gebüsch. Gertrud würde gern weiterfahren, ich rate zu Geduld. Habe ich doch meine Lektion vor 15 Jahren in Botswana bekommen, wo ich die Kreise eines Elefanten gestört hatte und dann von ihm gejagt wurde (-> www.lemlem.de - "Angst!"). Wir warten weiter. Dann plötzlich bricht das gewaltige Tier vorwärts durch das dichte Gebüsch. Laute knackende Geräusche. Gertrud entfährt ein "Boah!" Diese unheimliche Kraft! Der Elefant entfernt sich freundlicherweise, und wir wagen die Weiterfahrt, als uns 30 Meter von ihm trennen.

Der Yachthafen von Kariba

Zwei Tage Urlaub noch auf einem Campingplatz am Kariba-See. Da wir wieder die einzigen Gäste sind, gibt uns der Betreiber die Hütte, die am besten im Schuss ist. Und die bietet für wenig Geld einen unerwarteten Luxus: Strom gibt es rund um die Uhr; zwischen den Betten steht ein Kühlschrank, der zur großen Überraschung auch funktioniert; außerdem finden wir einen kleinen Elektrobackofen mit Herdplatten (auch er funktioniert!) im Schrank; die Dusche hat Warmwasser, was zu dieser kalten Jahreszeit ganz angenehm ist (und das Wasser bleibt nur am ersten Tag für längere Zeit aus). Allein die Tür zu unserer Hütte erweist sich als trickreich. Wenn man sie zu fest zuzieht, fallen Klinke und Vierkant heraus, und man muss basteln, um wieder hineinzukommen.

"Wenn Mugabe tot ist, wird es uns wirtschaftlich wieder besser gehen", sagt Kasume *)  in einem Einkaufsladen in Kariba. So, wie er spricht, macht er einen gut ausgebildeten Eindruck. Er ist Schweißer, doch er findet einfach keinen Job in seinem Beruf. Nicht nur die Welt um Zimbabwe herum wartet auf das Amtsende des greisen, 93jährigen Präsidenten, auch viele Bewohner im Lande sehnen einen Wechsel herbei. Politischer und wirtschaftlicher Stillstand, Korruption und Selbstgefälligkeit der Mächtigen haben bei der Bevölkerung zu Politikverdrossenheit geführt. Mugabe könnte ja freiwillig zurücktreten. Doch er klebt an der Macht, und so wird wohl erst sein Tod die Chance auf einen Wandel bieten.

*) Name geändert

 

Über den Damm des Kariba-Stausees verlassen wir Zimbabwe. Ein weiterer, spürbarer Schritt auf dem Weg ins Herz Afrikas. Plötzlich wirkt alles schlichter, die Hütten sind unverputzt aus grobem Lehm, die wenigen Einkaufsläden sind kleiner als in Zimbabwe. Am Straßenrand steht in großen Säcken Holzkohle zum Verkauf, gutgelaunte Männer sitzen auf dem Boden, flechten Körbe und zimmern aus dünnen Zweigen tragbare Ställe für Kleinvieh.

"A White Man cannot eat in this village", hat ein junger Zambier im Örtchen Shimabala gesagt, als ich nach einer Garküche fragte. - Ich antwortete, ich könne alles essen. - "Was möchtest du denn?" wollte er wissen. - Nshima, den üblichen Maisbrei. - "Ach so, Nshima gibt es dort", und er zeigte auf die unscheinbare Hütte mit einem kleinen Strohvorbau. - (Foto: Gertrud Härer)

 

 

 

 

 

 

Eineinhalb Tage brauchen wir von der Grenze bis nach Lusaka. Hier geht Gertruds Reise zu Ende.

Im Stadtzentrum besorgt sie Kartonteile, um ihr Fahrrad flugtauglich verpacken zu können. Von ihrer Ausrüstung lässt sie mir einiges zurück. Äußerst willkommen sind ihre Tabletten zur Malaria-Therapie (die, die ich in den Packtaschen habe, waren in den letzten drei Jahre oft großer Hitze ausgesetzt) und ihre Schlafmatte (denn meine Therm-a-Rest gibt wieder einmal auf - das gleiche Problem wie 2001 in Botswana, als sich der Klebstoff innen auflöste und sich große Blasen bildeten -> www.lemlem.de - "Kalahari").

Mittwoch früh, am 13. Juli, packt Gertrud dann alles zusammen. Wehmütig, denn eigentlich möchte sie gar nicht weg. Sie hat Afrika liebgewonnen, wie schon so viele andere Reisende vor ihr. Aber sie muss gehen, der Flieger hebt in wenigen Stunden ab.

Und so bleibe ich nach sieben gemeinsamen Wochen allein zurück - without my "wife".

 
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